Frage im Expertenforum Ernährung in der Schwangerschaft an Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa:

Folsäuresupplementierung

Frage: Folsäuresupplementierung

Minnie8

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Lieber Herr Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa Formuliere eine ganze Frage und ergänze ich habe Mitte Januar Blutproben bei meiner Frauenärztin gemacht, ich war damals in der 7.SSW. Sie hat mir nun Bescheid gegeben, dass ich bei Folsäure einen Wert von 9,2 ng/ml habe und damit einen schweren Folsäuremangel habe und sie hat mir jetzt 5 mg Folsäure verschrieben. Da ich selbst Ernährungswissenschaftlerin und nun in der Wissenschaft (allerdings in einem anderen Feld) tätig bin, habe ich etwas recherchiert und bin eigentlich weitgehend auf die Info gestoßen, dass das an sich noch kein Mangel ist, der Wert aber natürlich schon höher sein könnte. Weiters sollte 5 mg nach der 12 Woche nicht mehr umbedingt eingenommen werden, bzw. hauptsächlich bei Risikoschwangerschaften. Jetzt bin ich etwas unsicher ob ich die Tabletten nehmen soll und ob mein Kind ein erhöhtes Risiko für den Neuronalrohrdeffekt hat. Zur Info:  Ich habe bereits ab der 4. SSW 600 mcg täglich supplementiert. Liebe Grüße M Deine Schwangerschaftswoche: 13


Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa

Prof. Dr. med. Serban-Dan Costa

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Ihre Informationen sind richtig, der Wert von 9,2 ng/ml liegt im mittleren Normbereich. Die Empfehlung, Folsäure in den ersten 12 Schwangerschaftswochen zu substituieren, und zwar unabhängig von den Blutwerten, soll dem erhöhten Bedarf an Folsäure in den ersten Wochen der Schwangerschaft Rechnung zu tragen und um das Auftreten von Neuralrohrdefekten zu reduzieren. Der Folsäurewert alleine sagt nicht alles aus, wichtig wäre auch ein eventuelles Auftreten einer Megaloblasten-Anämie, also einer Anämie "mit großen Erythrozyten"... Wenn das bei Ihnen nicht der Fall ist, dürfen Sie annehmen, dass eben die Werte normal sind. Die meisten Feld-Studien sprechen dafür, dass die Inzidenz von Neuralrohrdefekten verringert ist, wenn man in der Schwangerschaft Folsäure substituiert. Darauf beruht die Empfehlung. Mich persönlich hat eine Studie aus Australien beeindruckt, in der gute Hinweise angeführt werden, dass eine Behandlung mit Folsäure nach der 12. bzw. 16. SSW zu mehr Asthma-Fällen bei Kindern führt. Aber in jener Studie geht es um die dauerhafte "prophylaktische" Einnahme von Folsäure-Tabletten während der gesamten Schwangerschaft, nicht um folsäurereiche Nahrung. Es gibt aber auch Studien, in denen der Zusammenhang zwischen Folsäure und Asthma nicht bestätigt wird. Aber entscheidend ist die Einnahme in den ersten 12 SSW, daran gibt es keinen Zweifel. Wenn Sie möchten, könnte ich Ihnen eine Powerpoint-Präsentation eines Vortrages von mir zusenden, den ich 2010 gehalten habe und meines Erachtens immer noch aktuell ist. Ich bräuchte nur eine Email-Adresse. Es gibt also einen wichtigen Unterschied zwischen Vorbeugung und Behandlung. Die allgemeinen Empfehlungen beziehen sich auf die vorbeugende Einnahme, beim Folsäuremangel handelt es sich um eine Therapie.


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