insel.omi
Sollten sich 16 jährige Schüler schon mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzen? Unser Enkel schreibt darüber morgen eine Klassenarbeit.
Schwieriges Thema, aber ist es nicht besser, wenn so etwas im schulischen Rahmen theoretisch behandelt wird, statt einen später unvorbereitet im Leben zu treffen, wenn man vor der konkreten Situation steht? Sterbehilfe oder auch die Entscheidung, bei einem sterbenden Angehörigen die Geräte abzuschalten, gehört mit zum Schwierigsten, was man erleben kann, finde ich. Ich weiß noch, dass Kind 2 ungefähr im selben Alter in Ethik den Film "Die Lebenden reparieren" (da geht es um Organspende nach dem Hirntod eines Jugendlichen) durchgenommen hat. Das weiß ich vor allem noch, weil er deshalb zu Hause Redebedarf hatte und sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat.
Ich finde es gut, dass das in der schule angeboten wird. Es ist ein hartes Thema...aber trotzdem. Tochter ist 17, Ausbildung in der Pflege und wurde unvorbereitet, mit Menschen alleine gelassen, die nur noch eine extrem kurze Lebenserwartung hatten, ihre Lebensgeschichte erzählt haben. Gehört zum Beruf ja...aber war total unvorbereitet und alleine.... Ich schreibe so früh, da ich auch den Weg nach Kopenhagen bin...Beerdigung einer Tante meines Mannes. LG
Stimmt, das ist etwas, das ich gar nicht bedacht habe, also die Vorbereitung auf den Beruf. Das ist sowieso ein Thema, das gerade in Gymnasien oder Gymnasialzweigen von Gesamtschulen zu kurz kommt - Pflege und Umgang mit Menschen, die nicht mehr im Hamsterrad der Leistungsgesellschaft mitlaufen können. Es gibt zwar die Sozialpraktika, aber auch die sorgen immer wieder für heftige Diskussionen unter Eltern, die nicht wollen, dass ihr kostbares Kind für vier Wochen mal miterleben muss, wie Krankheit, Sterben und Behinderung aussehen. Übrigens finde ich, dass sich hier keine dafür rechtfertigen muss, zu welcher Zeit sie schreibt. Gerade in einem Forum, in dem vor allem Schwangere, Stillende, Mütter oder Frauen im Menopausen-Alter schreiben sollte es normal sein, dass frau auch mal nachts oder sehr früh wach ist. Das ist ja vollkommen normal.
Ich kann mich selbst daran erinnern dass wir vor knapp dreißig Jahren im Ethikunterricht dieses Thema auch schon behandelt haben. Dafür ist dieses Fach doch da, um auch kontroverse Meinungen auszutauschen um sich den eigenen Standpunkt zu bilden. Ich fand es nicht übermäßig belastend.
Warum nicht? Mit 16 wird es langsam Zeit, sich mit der Realität zu beschäftigen.
Danke für eure Antworten. Euren Argumenten stimme ich zu. Ich bin aber nicht der Meinung, dass mein Enkel zu kostbar für solche Themen ist.
Das war eine (rückblickende) Lästerei über Mütter in den Klassen meiner Kinder, die fanden, ihre Kinder (übrigens ausnahmslos Söhne) sollten in der Schule auf ihre Karriere als Leistungsträger der Gesellschaft vorbereitet werden und keine Patienten in Rollstühlen herumfahren oder waschen müssen. Eine dieser Mütter war bezeichnenderweise mit einem Internisten verheiratet.
Okay.
Ich gehe davon aus, dass das Thema im Unterricht angemessen behandelt wurde und die Schüler sich mit Sterben und Sterbehilfe auseinandergesetzt haben. Meine Tochter dürfte auch etwa 16 gewesen sein, als über Tod und Sterben im Religionsunterricht gesprochen wurde, mit Besuch in einem Hospiz. Sie war davon so mitgenommen und aufgewühlt, dass die Religionslehrerin bei uns anrief, ob sie zuhause genug aufgefangen würde. Zweifellos ist das für viele ein belastendes Thema, und ich kenne genug Erwachsene, die den Tod und das Lebensende völlig verdrängen. Aber ich finde, selbstverständlich sollten sich auch schon 16-Jährige mit Sterbehilfe auseinandersetzen. Wählen mit 16 als mündiger Bürger traut man ihnen doch auch immer mehr zu, eben bei den Wahlen in Baden-Württemberg.
Wir wurden damals in der Ausbildung ins kalte Wasser geworfen. Mitschülerin durfte direkt am ersten Praktikumstag Sterbebegleitung machen, die Patientin ist dann mit ihr alleine in einem Raum auch verstorben. Obwohl wir nichts, absolut gar nichts mit so etwas im beruf zu tun haben. Insofern gab es für sie nachher auch keinerlei seelsorge oder ähnliches. Seehofers ersten Sparmaßnahmen damals noch unter Kohl lassen grüßen.
Das war sicher sehr traumatisch für deine Mitschülerin. Aber was hat dein Text jetzt mit meinem Beitrag zu tun"?
Weil Tabuthema. Sie hätte es sonst sicher deutlich besser verkraftet
Mit 16 oder 17 Jahren dürfen die Teenies schon vieles: wählen, (begleitet) Auto fahren - warum dann nicht auch an so ein Thema rangeführt werden? Schließlich gehört das Sterben zum Leben dazu und kann von eine auf die andere Sekunde in jeder Familie akut werden - und nicht nur bei den Groß- oder Urgroßeltern, in jedem Alter kann man einen Unfall haben, Herzinfarkt, Schlaganfall.....das Leben ist bunt - nicht nur im positiven Sinne.
Ich finde das gut. Sofern es gut und entsprechend aufbereitet unterrichtet wird. Ich gehe eh davon aus, dass es bereits Einige betrifft. Vielleicht nicht Sterbehilfe, aber eventuell den Sterbeprozess. Ich bin eh der Meinung, dass das zu wenig Beachtung in der Gesellschaft findet. Es ist ein Tabuthema. Zwar ist Sterbehilfe nicht immer einfach, aber in einer Gruppe diskutiert und bearbeitet, mit vielen Meinungen dazu, eine ganz gute Sache.
Ihr habt mich alle überzeugt. Danke nochmal.
Huhu, von mir auch noch ein kleiner Gedankenanstoß dazu. Wir Erwachsenen glauben ja oft, die Teenagerjahre und die Jugend seien so sorglos und unbeschwert, und da dürfe kein dunkles Thema reingebracht werden. Aber es ist eher umgekehrt: Genau in diesem Alter beschäftigen Teens sich innerlich oft sehr mit solchen Themen, auch mit der eigenen Sterblichkeit, die sie oft jetzt erstmals wirklich (nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Gefühl) realisieren. Und sie werden damit oft allein gelassen. Zum einen, weil Erwachsene nicht so gern wahrhaben, dass solche schweren Themen gerade junge Leute insgeheim beschäftigen. Aber auch, weil die Eltern (oder Großeltern) selbst große Angst vor diesem Thema haben und es nicht von sich aus ansprechen. Deshalb finde ich es gut, wenn es in der Schule aufgegriffen wird. Das ist ja irgendwo auch eine Entlastung für die Erwachsenen, die dieses Thema nicht freiwillig auf den Tisch bringen würden. LG
Es ist natürlich auch Ausdruck einer sehr privilegierten Gesellschaft, Kinder so behütet aufwachsen lassen zu können, dass sie wenig Berührungspunkte mit Krankheit, Tod, Dahinsiechen und Sterben haben. Ob das auch ein Erbe der Kriegs- und Nachkriegsgeneration war, die ihre Traumata lieber in sich begraben und sie nie mit Kindern und Enkelkindern thematisiert haben? Ich finde es ja grundfalsch, Kinder so abzuschirmen, aber natürlich muss man dann selbst die Sensibilität und psychische Kraft haben, einzuschätzen, was man ihnen zumuten und wie man ihre Gefühle in Zusammenhang damit auffangen kann. Und trotz allem denke ich, dass sich da seit einigen Jahren gesellschaftlich doch etwas tut und solche Themen in der Öffentlichkeit präsenter sind. Ich hoffe ja auch immer, dass gerade die Corona-Zeit einem Großteil der Erwachsenen gezeigt hat, dass Kinder und Jugendliche sich zwar anders, aber eben doch für sie psychisch intensiv und tiefgründig mit Krankheit, Sterben und ihrer eigenen Lebenssituation auseinandersetzen. Und die aktuellen Krisen in der Welt sind auch nicht gerade dazu angetan, unbeschwert aufzuwachen.
Zumal, was mitunter vergessen wird, mitunter in dem Alter nicht nur Familienmitglieder verstorben sind, sondern auch Freunde und Schulkameraden. Hier ist im letzten Jahr gerade eine Schülerin aufgrund von Krebs gestorben, die Stufe wurde entsprechend danach begleitet.
Schweres Thema, über das in meiner Schulzeit sicherlich nicht gesprochen wurde, außer dass nach dem Tod ja das ewige Leben kommt (katholische Schule halt..) Ich finde es wichtig, schon in der Schule darüber zu sprechen, denn das Thema kann jeden jederzeit treffen. Leider sterben Großeltern oft nicht einfach so, dass sie im hohen Alter friedlich einschlafen. Und immer wieder mal erwischt es leider auch Eltern, Geschwister, Freunde, dass sie schwer krank werden... In dem genannten Alter werden auch andere schwerst verdauliche Themen durchgenommen, so dass ich denke, dass auch die Sterbehilfe ab ca. 10. Klasse thematisiert werden kann.
Selbstverständlich, wir haben auf Station im Krankenhaus 17 jährige Auszubildende im Bereich Krankenpflege oder welche die ein freiwilliges soziales Jahr machen und ja mit solchen Themen oder palliativen Themen kommt man da in Berührung. Davon ab mein ältester Sohn hat seinen besten Freund mit 15 Jahren verloren an Krebs, der Junge hat sich Sterbehilfe gewünscht . Das Leben besteht nicht aus Zuckerwatte auch wenn Eltern oder Großeltern sich was anderes wünschen
Sollte man sich als "Omi" über das Curriculum Gedanken machen?! 😉
Das ist eine interessante Frage. Die solltest du in einen eigenen Thrad stellen.
Ich meine mich dunkel zu Erinnern, dass wir das sogar zu meiner Schulzeit vor 30 Jahren schon als Thema hatten. Was ist dein Problem damit? Ein 16jähriger sollte durchaus in der Lage sein, sich da differenzierte Gedanken zu zu machen...
Mein 15-Jähriger hatte jetzt Anfang des Jahres in der 9. Klasse sein zweiwöchiges Schulpraktikum, er hatte sich einen Platz im Altenheim gesucht, da er das Heim schon von Besuchen im Rahmen seines Konfirmandenunterrichts kannte. Er bekam dann gesagt, er soll einen Bewohner zum Mittagessen holen - die zweite Tür links. Tatsächlich wäre es die dritte Tür links gewesen, der Bewohner im Zimmer davor lag tot im Bett und wartete nur noch auf den Bestatter. Für meinen Sohn war es der erste Tote, den er bewusst gesehen hat. (3/4 seiner Großeltern sind schon seit einigen Jahren tot, er hatte sie damals aber nicht mehr nach ihrem Tod zum Abschiednehmen gesehen o.ä.) Ich fand es zwar schade, dass er da vom Heim nicht ein bisschen "aufgefangen" wurde, aber auf jeden Fall war es eine Erfahrung für ihn. Der Tod gehört zum Leben. Unausweichlich.
Ich finde, dass das Thema nicht ausgeschlossen werden sollte vom Unterricht und generell sehe ich das Alter auch als gut an. Aber: In derselben Situation habe ich damals darum gebeten, vorher mit der Lehrerin sprechen zu können, da wir einen schlimmen Sterbefall hatten in der Familie und mir wichtig war, dass mein Kind nicht retraumatisiert wird, da es eine Sache ist, was Lehrer (hoffentlich sensibel und behutsam) sagen oder zeigen, und was anderes, welche Kommentare (auch ungewollt unsensibel) von den Schülern kommen. An der Stelle war mir eine enge Begleitung wichtig. Abgesehen davon finde ich richtig, dass auch solche Themen des Lebens behandelt werden.
Ernsthafte Frage? Wenn 16jährige bereits mit dem Führerschein anfangen dürfen und bereits wählen dürfen? Muss man da wirklich drüber nachdenken? Das sind keine (kleinen) Kinder mehr, in nicht einmal 2 Jahren sind die volljährig.
Ob eine Klassenarbeit darüber sein muss, sei dahingestellt, aber ich finde es gut, wenn sich Jugendliche mit dem Thema im Unterricht beschäftigen und sich eine Meinung dazu bilden können. Ein so sensibles Thema umgeht man im familiären Umfeld vielleicht, bis die Familie vielleicht irgendwann betroffen ist und sich Gedanken manchen muss. Mein Mann ist ja aus NL, wo das Thema ganz anders gehandhabt wird. Ich habe mit der Handhabung von Sterbehilfe in NL echt meine Schwierigkeiten.
Mein 4jähriger hat mich gefragt, Warum man Tiere einschläfern darf (um ihnen unnötiges Leid zu ersparen) aber Menschen nicht. Der Tod gehört zum Leben und da gehen wir offen mit um.
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