Jendevi
Hallo liebe Eltern, wir haben eine 2,5 Jahre alte Tochter und beobachten seit ca. einem Jahr ein Verhalten, das uns verunsichert und auch im Alltag belastet. Beim Einschlafen oder wenn sie müde ist (z. B. beim Tragen auf dem Arm), versucht sie gezielt, mit ihrer Hand den Mund des Elternteils zu erreichen. Sie greift dann mit den Fingern in den Mund, berührt Zähne, kratzt am Zahnfleisch oder kneift an den Lippen. Das geschieht teilweise mit deutlichem Kraftaufwand und ist für uns schmerzhaft. Auch in unsicheren Situationen (z. B. beim Kinderarzt) zeigt sie dieses Verhalten. Dabei geht sie oft auch langsam vor, tastet sich quasi „an den Mund heran“ und versucht dann, hineinzufassen. Es wirkt so, als wüsste sie, dass sie es nicht soll, versucht es aber dennoch. Wenn wir ihre Hand wegnehmen und ihr klar sagen, dass wir das nicht möchten, reagiert sie teilweise mit Widerstand oder Frust und versucht es kurz darauf erneut. In manchen Situationen (v. a. im Halbschlaf) scheint es eher unbewusst zu passieren. Wir empfinden dieses Verhalten als belastend, auch weil es die Nähe und Bindung im Moment eher erschwert. Wir haben dazu ein paar Fragen: Ist ein solches Verhalten in diesem Alter noch im Rahmen der normalen Entwicklung? Kann es sich um eine Form der Selbstberuhigung oder ein sensorisches Bedürfnis handeln? Wie sollten wir am besten darauf reagieren (Grenzen setzen vs. Alternativen anbieten)? Wir haben es mit Kuscheltieren und knetbaren Dingen probiert, bisher ohne Erfolg. Ab wann wäre eine genauere Abklärung sinnvoll? Vielen Dank für Eure Einschätzung! PS: Es ist noch zu erwähnen, dass sie insgesamt eher wenig körperlich zugewandt ist. Sie sucht von sich aus kaum Nähe oder Körperkontakt (z. B. Kuscheln) und wehrt sich tagsüber häufig dagegen, wenn man sie in den Arm nehmen möchte. Nähe scheint sie eher auf Distanz zu regulieren.
Oookay... Ich finde, ihr solltet es einfach unterbinden. Es stört euch, ist sogar schmerzhaft, sicherlich wenig hygienisch und vermutlich ein gewachsenes Verhalten, das sich mit der Zeit eingeschlichen hat. Natürlich meckert sie jetzt, wenn ihr es verbietet. Es war ja lange in Ordnung und für sie gibt es keinen Grund aufzuhören. Vorallem, wenn ihr es mal verbietet und dann wieder nicht. Oder ab unterschiedlichem Grad des Funmelns. Da müsst ihr aber jetzt einfach mal durch. Je klarer desto besser. Ich würde auch vermuten, dass sie sich so beruhigt. Wäre mir aber egal, weil ihr Verhalten einfach viel zu übergriffig ist. Ich würde nach Kuscheltier und Knetsachen noch ein Perlenband (mit eckigen Perlen) anbieten. Das ist immerhin hart wie Zähne und aufgereiht. Aber sie wird auch von sich aus eine Alternative finden, wenn eure Angebote ihr nicht gefallen. Habt ihr sie mal gefragt? Je nach Sprachentwicklung könnte sie vielleicht schon was Hilfreiches beitragen.
Die Frage ist doch eher, warum ihr euch das seit einem Jahr mehr oder weniger gefallen lasst? Wenn ihr von Anfang an klare Grenzen gesetzt hättet, hättet ihr das Problem jetzt nicht. Also ab jetzt IMMER eine deutliches Stop - und nicht mal gefallen lassen, mal nicht, mal ein bisschen - und zwar beim ersten "rantasten" sofort eingreifen.
Unser Kind ist auf seine und unsere Ohren fixiert. Geht genauso vor, wie bei Euch mit dem Mund. Als sich das Ganze auf die Nase zu verlagern drohte, war das nicht mehr ok für uns und wir haben es unterbunden. Würde ich in Eurem Fall genauso machen. Vielleicht könnt Ihr ja auch das Ohr anbieten 🙃
Huhu, das Verhalten deiner Tochter ist normal. Aber: Durch euer Gewährenlassen habt ihr es eurer Tochter teilweise selbst angewöhnt. Dass sie das seit einem Jahr macht zeigt, dass ihr euch nicht ausreichend und von Anfang an abgegrenzt habt gegen diese Gewohnheit, obwohl ihr sie als unangenehm empfindet. Viele Erstlings-Eltern glauben unbewusst, sie müssten ihre eigenen Bedürfnisse dem Kind zuliebe Kind ignorieren. Das ist nicht gut. Denn wenn man eigene Körpergrenzen missachtet, wächst unbewusst ein Groll auf das Kind, das diese Grenzen immer wieder verletzt. Du merkst das ja gerade bereits selbst. Du sprichst sogar davon, dass dadurch "Nähe und Bindung" erschwert sind. Das heißt auf Deutsch: Es reizt und nervt euch sehr. Und das ist wirklich schlecht fürs Kind. Deshalb ab jetzt nicht nur gelegentlich sagen: "Ich möchte das nicht." Sondern ihr müsst es wirklich immer sofort komplett und glasklar abwehren, indem ihr euch aus der Reichweite der Hand deiner Tochter zurückzieht. Das geht ja mit einer kleinen Körperbewegung. Ein "Nein, wir möchten das nicht", ist dabei weniger effektiv und meist auch nicht nötig. Zieht immer sofort abwehrend den Kopf weg, wenn sie das macht. Wenn sie dann motzt und protestiert, ist das normal und ihr gutes Recht. Kein Kleinkind verzichtet freiwillig und gern auf eine liebgewonnene Gewohnheit. Wichtig ist nur, dass man versteht: Dieser Frust ist nicht schädlich fürs Kind. Denn ein Kleinkind ist nicht mehr symbiotisch mit den Eltern verbunden. Sondern es empfindet sich längst als eigenständige Person und weiß auch, dass Mama und Papa eigenständige Personen sind. Es hält es daher von seiner Entwicklung her aus, dass die Bedürfnisse von Kind und Eltern nicht immer übereinstimmen, und dass es sich nicht immer durchsetzen kann. Haltet also den Protest gelassen aus, auch wenn er einige Zeit dauert. Eure Tochter muss sich erst umstellen, und das ist nicht leicht und geht nicht von jetzt auf gleich. Wichtig ist, dass ihr ab jetzt absolut klar seid in eurem Verhalten. Wenn die Eltern klar auftreten und hinter dem stehen, was sie tun, ist es für das Kind viel leichter, die Abgrenzung zu akzeptieren. Wenn ihr unklar rüberkommt, mal so, mal so, mal genervt, mal resigniert, mal tröstend, mal nachgebend – dann verlängert ihr das Problem. Wenn es dir schwerfällt, den Protest deienr Tochter auszuhalten, bedenke noch etwas: Gerade bei einem Mädchen ist es wichtig, dass es lernt, sich körperlich abzugrenzen. Dass es spürt, was es will und was es nicht will. Das aber lernt es nicht durch Erklärungen, sondern nur durch Vorbild. Wenn es aber erlebt, dass die Mama eigene Körpergrenzen ignoriert und nachgibt, obwohl sie das spürbar nicht möchte, dann ist das eine fatale Botschaft. Ein Mädchen lernt dann: Auch wenn man als Frau etwas unangenehm findet, muss man es geschehen lassen, Mama hat das schließlich auch so gemacht. Und diese unterschwellige Botschaft willst du deiner Tochter sicher nicht vorleben. LG
Dem stimme ich komplett zu
Um es überspitzt zu formulieren: An eurer Tochter ist alles normal. Aber an eurem Verhalten stimmt etwas nicht. Es ist nicht "normal", sich so lange etwas gefallen zu lassen, das man selbst als unangenehm und übergriffig empfindet. Vor allem, wenn es keinen zwingenden Grund dafür gibt. Bitte nicht übel nehmen, ist nur als Gedankenanstoß gemeint. Wenn ihr diesen Gedanken verinnerlicht, profitiert sowohl ihr selbst davon (Selbstwirksamkeit, ihr fühlt euch eurer Tochter nicht mehr "ausgeliefert"), als auch eure Tochter (sie lernt, wie man seine Grenzen kommuniziert, und dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben).
Die letzten 10 Beiträge
- Zweijährige greift Kindern ins Gesicht, schubst, ist grob zu anderen – Was tun?
- 2,5-jährige Tochter greift und fummelt immer wieder im Mund der Eltern
- Kita Eingewöhnung Gescheitert
- Mittagschlaf bald 3 Jahre alt
- Urlaub- Bedenken wegen Balkontür
- 23 Mo. zieht unsere Energie.
- Mädchen 4,5 geht nicht aufs klo
- Unsere Tochter (21 Monate) sehr ängstlich vor ungewohnten Situationen und Personen
- Bilirubin und erys im Urin Kleinkind
- Einschlafen mit Papa