Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

zu viel Vordermilch?

Frage: zu viel Vordermilch?

Bibiabi

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Hallo, meine Tochter ist nun 8Wochen alt und nimmt seid ca. 4Wochen nicht mehr genug zu (ca.50gr pro Woche). Ich war vor 2Wochen bei der U3 und die Ärztin war unbesorgt, weil sie gut auf ihrer Perzentile liegt, aber das liegt lediglich daran, dass sie anfangs überdurchschnittlich gut zunahm.  Sie trinkt viel kürzer als vorher und wird schnell satt, bzw. voll, oder unruhig an der Brust und verweigert sie dann. Wenn sie unruhig wird, kontrolliere ich, ob noch etwas drin ist, indem ich die Brustwarze drücke und dann spritzt immer etwas raus, weshalb ich denke, dass die Brust noch nicht geleert ist. Die linke Brust hat sie komplett verweigert, so dass ich sie nur noch über die rechte stille. Sie hat mehrfach Stuhlgang am Tag(senfgelber Hüttenkäse, manchmal schaumig, manchmal schleimig)ihr Urin ist  klar, nicht riechend und reichlich, weshalb ich mir nicht vorstellen kann, dass sie generell zu wenig Milch bekommt, sondern nur zu wenig fette Hintermilch. Ich lege sie ständig an, sobald sie weint, sie weint unheimlich viel und dann trinkt sie nur kurz. Nachts wird sie alle Stunde wach und will trinken, dann auch meist nur kurz und dann schläft sie weiter....ich bin verunsichert, soll ich sie weniger anlegen, damit sie hungrig genug ist? Aber ich habe das Gefühl sie ist auch oft hungrig, weil die Fette fehlen.... Was kann ich machen, damit sie länger trinkt? Abpumpen funktioniert bei mir nicht, so dass ich Angst habe, bald mit Pre Milch zufüttern zu müssen, aber ich hoffe so sehr, dass ich es vorher schaffe wieder alles ins Lot zu bringen.


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Bibiabi, leider muss auch ich dir sagen, dass auch bei mir die Alarmglocken schrillen, wenn ein Baby in diesem Alter nicht ausreichend zunimmt.  Oberste Regel: Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb solltest du dein Baby in den nächsten Tagen oft anlegen. Um das Interesse deines Babys an der Brust wach zu halten, kannst du es mit Wechselstillen versuchen. Dabei legst du dein Baby an und stillst es, solange es wirkungsvoll saugt, d.h. es schluckt nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung. Sobald es seltener schluckt, nimmst du es sanft von der Brust (vergiss nicht den Saugschluss zu lösen) und lässt es aufstoßen, streichelst seine Fußsohlen oder massierst es sanft entlang der Wirbelsäule, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Dann wird es an der anderen Brust angelegt und wieder gestillt, solange es wirkungsvoll saugt. Schluckt es wieder seltener, wird es zurück an die erste Brust gelegt, nachdem du es wieder etwas ermuntert hast. Dieses "Wecken und Wechseln" wird zwanzig bis dreißig Minuten lang ausgeführt, wie bereits erwähnt tagsüber alle zwei Stunden und nachts mindestens alle vier Stunden. Eventuell ist es sinnvoll zusätzlich zu pumpen. Wenn gepumpt wird, dann sollte eine möglichst effektive Pumpe verwendet werden, am besten eine vollautomatische, elektrische Kolbenpumpe mit Doppelpumpset. Zu wenig Milch ist eine medizinische Indikation für die Verordnung der Pumpe durch den Arzt (auf der Verordnung muss "mit Zubehör" stehen, sonst musst du das Zubehör selbst zahlen). Richte dich mit deiner Flüssigkeitszufuhr nach deinem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt dazu, dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung ("schwemmt aus") und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinkst du zu wenig. Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys. Achte darauf, dass DU ausreichend und möglichst ausgewogen isst. Kohlenhydratreiche Nahrung hat einen positiven Einfluss auf die Milchbildung. Ruhe dich oft aus und entspanne dich. Arbeite für eine Weile so wenig wie möglich. Die Hausarbeit läuft dir nicht davon! Stress wirkt sich ungünstig auf den Milchspendereflex und auf die Milchbildung aus.  Vielleicht kannst du ja ein paar "Stilltage" einlegen, das heißt du legst dich mit deinem Baby ins Bett und kümmerst dich ausschließlich um dein Baby und das Stillen. Wenn möglich, sollte dein Kind keinen Schnuller und auch keine Flaschensauger bekommen, denn diese können dazu führen, dass dein Baby nicht mehr weiß, wie es richtig an der Brust trinken soll. Außerdem solltest du unbedingt Kontakt zu einer Stillberaterin vor Ort aufnehmen, die dich und dein Kind beim Stillen beobachten kann. Es ist wichtig, dass du korrekt anlegst und dass dein Kind korrekt saugt. Es kann auch sein, dass dein Baby nicht richtig saugt oder eine Saugschwäche hat, was korrigiert werden müsste. Das kann ich nicht beurteilen, denn ich kann dich nicht sehen. Am besten besprichst du mit einer Stillberaterin in deiner Nähe, wie du vorgehen kannst. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Ich würde dir zusätzlich noch empfehlen, deinem Baby eine Kalorienbombe aus Muttermilchsahne zu geben, das gibt den Kleinen meist einen wirklich guten Zunahme- und Entwicklungskick. Schau, dass du Milch ausstreichst oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln. Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deinem Baby geben. Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird dein Baby ganz sicher einen Schub machen.  Probier es mal aus!  Liebe Grüße  Biggi


Bibiabi

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Hallo,  Danke für die Antwort, wie oft sollte ich ihr diese Sahne bzw. wie viel davon pro Tag geben?


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Bibiabi, du kannst ruhig mehrmals am Tag ein paar Löffelchen geben. Wichtig ist allerdings wirklich, dass das Saugverhakten deines Kindes überprüft wird. Lieben Gruß Biggi


Bibiabi

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Ok. Vielen Dank,  ja wir sind schon ob osteopathischer Behandlung, da sie Probleme mit dem Saugschluss hat, weil ihre Zunge nicht richtig raus kommt. Jetzt versuchen wir ihre Muskeln im Kiefer zu lockern und wenn das nicht hilft, muss eventuell das Zungenband durchtrennt werden. Mich wundert aber die Diskrepanz zwischen den vielen nassen Windeln, den Stuhlgängen und der geringen Gewichtstzunahme, daher habe ich mich gefragt, ob ich sie zu oft anlege und sie daher zu kurz trink, weil sie immer ein bisschen trinkt, statt seltener aber dafür lange und somit vielleicht das Verhältnis von Vorder- zu Hintermilch nicht stimmig ist. Ich werde zusätzlich eine Stillberaterin vor Ort aufsuchen.


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Bibiabi, die Unterteilung der Milch in Vordermilch und Hintermilch ist nicht so, wie es immer wieder zu lesen ist und ist für die Praxis abgesehen von wenigen, besonderen Fällen kaum relevant. Der Milchspendereflex setzt beidseitig ein, so dass das Kind an der zweiten Brust dann eine „Mischmilch" erhält. Die Unterscheidung in „Vordermilch" und „Hintermilch" ist in aller Regel allerdings eine akademische Frage, die für den normalen Stillablauf keine Bedeutung hat. Solange das Kind gedeiht und sich wohl fühlt, muss keine Mutter über die Anteile an Vorder oder Hintermilch nachdenken. Solange das Baby gedeiht, ist es vollkommen unwichtig, ob es an einer oder beiden Brüsten trinkt. Es gibt keine feste und unumstößliche Regel, dass ein Kind immer an beiden Seiten trinken muss. Wichtig ist alleine das Gedeihen des Babys. Jedes Stillpaar muss herausfinden, was für die beiden am besten funktioniert. Ich bin gespannt, was die Kollegin vor Ort sagt. Gute Nacht Biggi


Bibiabi

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Vielen lieben Dank. Leider verweigert sie wie gesagt die linke Brust seit Tagen, weshalb sie nicht in den Genuss der vorbereiteten Mischmilch kommt. Ich werde morgen versuchen ein Rezept für eine elektrische Milchpume zu bekommen, um Sahne zu machen :-) Leider hat das Abpumen früher schon bei meiner großen Tochter nicht geklappt, da ich beim Pumpen kein Milchspendereflex bekommen habe. Ich hoffe diesmal klappt es. Manuell bin ich leider schon gescheitert. Ich lege sie schon super häufig an, häufiger als empfohlen. Ich hoffe wir werden es schaffen, ohne Zufüttern, aber natürlich füttere ich lieber Pre, als weiter hinzunehmen, dass sie so wenig zunimmt. Aber erstmal versuche ich alles andere.  Dir auch eine gute Nacht und nochmal vielen Dank für die vielen Tips und Infos.


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Bibiabi, das Abpumpen oder Ausstreichen von Milch ist eine Sache, die gelernt und geübt werden muss. Und dann kommt es auch noch sehr auf die verwendete Pumpe an. Nicht jede Pumpe passt zu jeder Frau und manche Pumpen sind schlichtweg untauglich (z.B. Modelle mit einem Gummiball) Es gibt auch Frauen, die trotz reichlicher Milchproduktion keinen Tropfen Milch abpumpen können, diese Frauen kommen oft mit dem Handausstreichen besser zurecht. Der Schlüssel zum erfolgreichen Abpumpen ist das Auslösen des Milchspendereflexes. Um den Milchspendereflex anzuregen hilft es, wenn die Frau sich in eine angenehme Umgebung zurückziehen kann, in der sie so wenig wie möglich gestört wird und sich entspannen kann. Das Einhalten eines Rituals beim Abpumpen und Konzentration auf das Baby (vor einem Foto des Babys oder neben dem Kind abpumpen) tragen dazu bei, den Milchspendereflex auszulösen. Wärmeanwendungen und Massage der Brust stimulieren den Milchspendereflex ebenfalls. Es hat sich bewährt, nach dem Schema 7 Minuten pumpen unterbrechen zum Massieren der Brust 5 Minuten pumpen massieren der Brust 3 Minuten pumpen, vorzugehen. Eine Brustmassage kann auch dazu beitragen den Fettgehalt der abgepumpten Milch erhöhen.  Hast du es einmal mit dem Handausstreichen probiert? Lieben Gruß Biggi


Bibiabi

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Hey,  nein mit dem Handausstrichen habe ich es noch nicht probiert, das werde ich mal versuchen. Dankeschön.


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