Verena2018
Lieber Herr Dr. Gagateiger, ich wurde vom Frauenarzt-Forum hierher verwiesen: bin schwanger geworden in einem künstlichen Kryozyklus - und habe eine Frage zum Absetzen der Medikamente (ich nehme 3x Duphaston und 3x Femoston oral, und zwei mal Cyclogest 400 vaginal, also wahrscheinlich eine ziemlich hohe Dosis sowohl vom Progesteron als auch vom Östrogen). Aktuell bin ich in der 10. Schwangerschaftswoche und wurde mit gutem Ultraschall - Herzchen schlägt, Wachstum zeitgerecht - zur Frauenärztin entlassen. Auch der erste Ultraschall dort (letzte Woche) war gut, das Kleine bewegte sich sogar. Leider habe ich aber von den Medikamenten Nebenwirkungen - die Übelkeit und Schlafstörungen sind schlimmer als wohl natürlich wäre, der bloße Geruch meiner Haut erinnert mich an Progesteron, Essen und Trinken macht keine Freude, und ich finde es langsam belastend. Auf der anderen Seite hatte ich schon (wie in der Schwangerschaft zu meinem ersten Kind vor vier Jahren, zum Glück alles gut gegangen) ein Hämatom, das sich aber resorbiert und nicht so riesig ist. Nun meine Frage zum Progesteron: mein Duphaston neigt sich dem Ende und ich wollte fragen ob ich schon ausschleichen "darf" oder "kann"- das Cyclogest würde ich noch bis zur 12./13. Ssw weiternehmen. Reicht das, oder gehe ich damit ein Risiko ein? Soll ich nochmal Blut abnehmen in der Kinderwunsch-Klinik, um das zu entscheiden? Und wie verhält es sich mit dem Femoston/Östrogen? Ich weiß, es steht viel im Netz dazu, aber ich entnehme daraus nicht ob es nun ein Risiko ist oder nicht? Und schaden die zusätzlichen Hormone dem Fötus irgendwie? Herzlichen Dank, Verena
Guten Tag, zunächst einmal freut es mich sehr, dass sich Ihre Schwangerschaft bislang gut entwickelt und die Ultraschalluntersuchungen zeitgerecht und unauffällig waren. Das ist die wichtigste Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Grundsätzlich ist es richtig, dass man sich bei stabilem Ultraschallbefund häufig nicht zwingend auf Blutwerte stützen muss. In Ihrer speziellen Situation – insbesondere in der 10. Schwangerschaftswoche und bei einem vorausgegangenen Hämatom – halte ich es jedoch für sinnvoll, zusätzlich zu prüfen, ob die Hormonspiegel ausreichend sind, bevor man Medikamente reduziert oder absetzt. Das ist nicht ganz einfach, da die Hormonwerte im Tagesverlauf durchaus schwanken können. Gegebenenfalls kann man durch zwei bis drei Blutabnahmen an unterschiedlichen Tagen und zu verschiedenen Uhrzeiten ein besseres Gesamtbild erhalten und so mehr Sicherheit gewinnen. Die Nebenwirkungen, die Sie beschreiben, können selbstverständlich auch durch die Schwangerschaft selbst bedingt sein und sind nicht zwingend ursächlich auf die eingenommenen Medikamente zurückzuführen. Übelkeit, Geruchsempfindlichkeit und Schlafstörungen gehören leider zu den häufigen Begleiterscheinungen einer normalen Frühschwangerschaft, auch ohne zusätzliche Hormongaben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch zu verstehen, warum Ihnen Östrogen und Progesteron überhaupt verordnet wurden. In künstlichen Kryozyklen werden diese Hormone deshalb gegeben, weil der Gelbkörper – der normalerweise in den ersten 10 bis 12 Wochen die Schwangerschaft hormonell unterstützt – in solchen Zyklen häufig nicht ausreichend aktiv ist oder ganz fehlt. Die Medikamente übernehmen dann gewissermaßen vorübergehend diese wichtige Funktion. Deshalb ist es in Ihrem Fall sinnvoll, vorsichtig und schrittweise vorzugehen und keine übereilten Änderungen vorzunehmen. Ich würde empfehlen, die Kinderwunschklinik noch einmal gezielt zu kontaktieren und nach dem ursprünglichen Behandlungsplan zu fragen – insbesondere danach, wie lange die Einnahme von Östrogen und Progesteron vorgesehen war und ob ein konkretes Ausschleichschema geplant ist. Es stimmt, dass der sogenannte Plazentashift in der Regel bis etwa zur 12. Schwangerschaftswoche abgeschlossen ist. Dennoch ist in einer individuellen Situation wie Ihrer ein behutsames Vorgehen mit klarer Abstimmung zwischen Kinderwunschklinik und betreuender Frauenärztin der sicherste Weg. Zusammengefasst: Ein Ausschleichen der Medikamente ist grundsätzlich möglich, sollte aber nicht überstürzt erfolgen. Eine ergänzende Kontrolle der Hormonwerte kann in Ihrer Konstellation sinnvoll sein, und die ursprüngliche Therapieplanung der Kinderwunschklinik sollte unbedingt in die Entscheidung einbezogen werden. Ich wünsche Ihnen weiterhin einen stabilen Verlauf und vor allem, dass Sie bald wieder mehr Vertrauen und körperliche Entlastung in dieser Schwangerschaft spüren können.
Verena2018
Herzlichen Dank Herr Dr. Gagsteiger, für diese ausführliche und umsichtige Antwort! Ich werde mich morgen direkt erkundigen was die Klinik rät und auch nach einem Bluttest fragen, es war auf alle Fälle hilfreich nochmal zu hören, dass die Länge der Einnahme nicht übertrieben ist, sondern seine Berechtigung haben kann. ...einen ruhigen Sonntagabend und danke auch für die Glückwünsche! Wir freuen uns, es wäre unser letzter Versuch geblieben. Verena
Vielen Dank für Ihre lieben Zeilen – darüber habe ich mich sehr gefreut. Es ist gut, dass Sie morgen noch einmal direkt mit der Klinik sprechen und nach den Blutwerten fragen. Die längere Einnahme der Medikamente hat in dieser Phase oft ihre gute Berechtigung und ist Ausdruck von Vorsicht. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass sich alles weiter ruhig und stabil entwickelt. Gerade wenn man weiß, wie viel auf dem Spiel steht, darf man auch besonders sorgfältig sein. Herzliche Grüße und alles Gute Ihr Dr. Gagsteiger
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