Elternforum Rund um die Erziehung

Kind (7) macht uns fertig

Kind (7) macht uns fertig

raindrop

Beitrag melden

Ich schreibe mal hier, in der Hoffnung, dass jemand einen Rat weiß. Unser 7 jähriger Sohn bringt uns an die Grenzen des erträglichen. Sobald etwas nicht nach seiner Nase läuft flippt er völlig aus, beschimpft uns, brüllt rum, schlägt, droht usw. Er erwartet auch ständig sofortige Bedürfnisbefriedigung. Er merkt beispielsweise er hat Hunger und will SOFORT was zu essen (egal was wir gerade machen oder wo wir gerade sind). Er jammert dann und schreit er würde verhungern und lässt sich mit nichts beruhigen. Das ganze Familienleben leidet unter seinen Ausbrüchen und seinem Theater und wir sind alle an unserer nervlichen Belastungsgrenze. Nachts haben wir auch keine Ruhe. Er kommt spätestens um 1 Uhr in unser Bett und hampelt nur rum, klettert auf mich, wir bekommen Füße und Arme ab. Schon mehrmals hatte ich dadurch die Nase blutig und die Rippen geprellt. Wir haben ihn schon oft in sein Bett zurück gebracht. Das hält aber höchstens 20 Minuten, dann ist er wieder da. Er bekommt sehr viel Aufmerksamkeit, wir spielen und lesen viel mit ihm, unternehmen oft gemeinsam was und oft auch nur ein Elternteil mit ihm, aber es ist scheinbar nie genug. Wir lieben ihn natürlich sehr, aber unsere Krafteeserven sind langsam echt ausgeschöpft. Der Kinderarzt vermutete, dass er AD(H)S haben könnte. Daraufhin waren wir im SPZ, wo aber nichts krankhaftes oder ein Störungsbild festgestellt werden konnte. Kennt jemand von euch ein ähnliches Verhalten???


niccolleen

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Ich kenne das von meiner Tochter auch. Aber trotz allem muss sie lernen, dass es noch drei andere Familienmitglieder gibt, und da kann sie schreien und motzen was sie will. Immer schnell nachgeben hilft nicht der Zufriedenheit des Kindes, auch wenn man meint, das funktioniert. Jeder muss gleiche Rechte haben, soweit es geht, damit das Zusammenleben klappt. Und es kann gut sein, dass er es trotz seiner 7 Jahre noch nicht richtig versteht, das ist bei meiner Tochter auch so. Somit bekommt er in dem Sinn halt mehr Aufmerksamkeit, dass ihm das immer und immer wieder nach Moeglichkeit liebevoll erklaert oder vor Augen gefuehrt werden muss, aber es ist nicht zu aender. Wenn du Essen machst, dann muss er sich eben gedulden, bis das Essen fertig ist und soll derweil wo anders toben oder rumschreien. Das mit den Naechten ist bloed, aber wieso ist er denn so wach in den Naechten? Wieviele Stunden Schlaf braucht er und gibt es in eurem Schlafzimmer die Moeglichkeit, eine Matratze nebens Bett zu legen, wo er schlafen kann und doch bei euch ist? lg niki


kanja

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Einzelkind? Warum darf er nachts nicht bei euch im Bett bleiben? Vorausgesetzt natürlich, er benimmt sich, sprich bleibt ruhig liegen. Das versteht er in dem Alter doch. Mein Sohn hat viel Elternbett gebraucht, es hat ihm gut getan.


raindrop

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von kanja

Nein, er ist kein Einzelkind. Er hat noch eine jüngere Schwester. Wir möchten, dass er in seinem Bett schläft, weil sonst für uns kaum an Schlaf zu denken ist. Er bewegt sich sehr viel im Schlaf und stört uns so permanent. Wir sind immer unausgeschlafen. Die Kleine schläft immer in ihrem eigenen Bett.


kanja

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Dass ein Kind problemlos in seinem bett schläft, das andere aber nicht, ist kein Maßstab. Er scheint die Nähe nachts doch zu brauchen. Ich habe auch zwei Kinder und nur eins davon brauchte das Elternbett. Könntet ihr eine Matratze neben euer bett legen? Vielleicht reicht ihm die Nähe. Fühlt er sich durch die kleine Schwester zurückgesetzt? Objektiv behandelt ihr vielleicht beide Kinder gleich, aber euer Sohn empfindet es evtl anders.


Zwerg1511

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Wie verhält er sich denn in der Schule? Vielleicht ist er ein Kind, das sehr enge Grenzen braucht. Evt. solltet Ihr eine Erziehungshilfe zu Rate ziehen. Aber als ersten Schritt würde ich die ganze Familie an einen Tisch holen. Dann werden ganz klare Regeln festgelegt. Wenn er Hunger hat und es ist außerhalb der Essenszeiten kann er sich ein Brot schmieren oder Obst essen. Das kann er selbst machen. Wenn er dann ausflippt, würde ich sofort den Raum verlassen. Rumbrüllen, schimpfen und tätlich werden, führen zum sofortigen Abbruch aller Aktivitäten. Er ist mit 7 Jahren alt genug, um bestimmte Dinge zu verstehen. Vielleicht muss er sich erst daran gewöhnen, dass seine Bedürfnisse nicht immer gleich befriedigt werden. Aber das MUSS ein Kind von 7 Jahren aushalten. Das geht doch in der Schule auch nicht. Ich würde mir wirklich ganz dringend Erziehungshilfe holen. Das ist kein Versagen Eurerseits, sondern spezielle Situation erfordern einfach professionelle Hilfe. Ich wünsche Euch alles Gute


dana2228

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Sie glauben alles dreht sich um sie. Erst mit er Zeit merken Sie das sich nicht allesalles um sie dreht. Mit 7 Jahren dürfte das der Fall sein. Wie läuft das in der Schule? Wenn ihr einen hohen leidensdruck habt sucht Hilfe beim Kinderarzt, Jugendamt oder anderen Investitionen. Das ist keine Schande, eine Schande währe es das so laufen zulassen.


dana2228

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von dana2228

Ich habe ein daheim und die beschrieben VerhaltenmVerhaltensmuster kenne ich uns leider viel mehr er hat Autismus und ne geistige Behinderrung dabei. Und ja er schäft schlägt in unserem Bett. Diesen Stress tue ich mir nicht an.


Astrid

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Hallo, ich habe beruflich u. a. mit diesem Problem zu tun, deshalb einige Tipps dazu: Es gibt Kinder, die einfach anstrengender für ihre Eltern sind. Man hat hier nichts falsch gemacht, sondern es ist eine Typfrage. Diese Kinder werden von Fachleuten "unterkontrollierte Kinder" genannt. Das heißt, sie können ihr eigenes Verhalten, ihre Impulse, ihre Reaktionen kaum kontrollieren. Sie haben kaum Frustrations-Toleranz. Das Ganze ist Veranlagung, die Selbstkontrolle ist einfach (noch) nicht so ausgeprägt. Solche Kinder sind überhaupt nicht unnormal, aber sie ecken in Kiga und Schule oft an. Und sie stressen ihre Eltern sehr - was nicht gut ist, denn betroffene Eltern reagieren irgendwann aggressiv und genervt aufs Kind. Das Problem ist: Die üblichen Reaktionen von uns Eltern wie Ermahnungen, Belohnungen, Strafen oder Konsequenzen helfen bei diesen Kindern null. Sie brauchen eine ganz andere Vorgehensweise, die Eltern aber nicht von selbst kennen, sondern lernen müssen. Obwohl mit dem Kind alles in Ordnung ist, raten viele Experten daher, mit dem Kind zum Kinderpsychologen zu gehen. Weil man dort erklärt bekommt, wie das Kind tickt, warum es sich so verhält, und wie man als Eltern gut damit umgehen kann. Beispiel: Dieser Typ Kind reagiert relativ wenig auf auditive Signale. Das heißt auf Deutsch: Ermahnungen und Erklärungen werden von ihm nur wenig aufgenommen, vor allem, wenn es gerade wütend ist. Diese Kinder reagieren oft besser, wenn Worte, Anweisungen und Aufforderungen von Berührungen begleitet werden. Wenn Du Deinen Sohn also zu etwas aufforderst, lege ihm gleichzeitig fest eine Hand auf die Schulter. Sein Gehirn kann die Botschaft dann besser aufnehmen. Anderes Beispiel: Unterkontrollierte Kinder mögen meist wenig Zärtlichkeiten und sind oft nicht sehr verschmust. Sie mögen eher eine "kumpel-haftere", etwas festere Nähe: Man kann mit ihnen toben, sie mal kräftig, aber kurz knuddeln usw. Auch das gibt ihnen das Gefühl von Wärme und Geborgenheit, auch wenn es wilder und handfester zugehet. All diese Dinge weiß man normalerweise als Eltern nicht, sie sind aber sehr wichtig, um im Alltag nicht überfordert zu reagieren. Deshalb: Auch wenn Dir der Gedanke vermutlich sehr seltsam vorkommt: Da der Alltag für Euch alle eine ziemliche Belastung geworden ist, würde ich ich mich bei einem guten Kinderpsychologen oder -psychiater beraten lassen. Oft reichen schon wenige Gespräche und Hinweise, um den Alltag sehr zu entlasten! LG


binesonnenschein

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Astrid

Danke, das hat jetzt auch gerade mir ein wenig geholfen, meine große Tochter besser zu verstehen. Ich habe da einiges gelesen was auf sie zutraf. Sie ist inzwischen 10 und ihre Frustrationstoleranz ist merklich angestiegen, aber bis sie 8 war, waren ihre Tobsuchtsanfälle und emotionalen Ausbrüche schon heftig.


Vanessa1704

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von binesonnenschein

Ich denke, ihr müßt klare Grenzen ziehen und sehr deutlich sein.Mit fiel dazu sofort das Buch, Warum Kinder zu Tyrannen werden, ein. Ich arbeite im Kiga und erlebe solche Ausbrüche von Kindern täglich.Wenn er nachts bei euch sein muß, dann nur neben eurem Bett auf einer Matratze und natürlich muß Ruhe sein.Ganz klare Ansage. Wenn er essen möchte, muß er sich darum kümmern. Klare Regeln aufstellen, was geht.Ihr seid die Eltern und er das Kind.Die Rolle muß klar sein.es wird eine harte Umstellung werden, in welcher viel gebrüllt wird, aber ihr wollt die Situation ändern und das ist auch richtig.Stellt euch nur mal vor, wie er mit 10, 12 oder 14 sein wird, wenn ihr jetzt nicht die Fronten klärt.Ihr müßt das auch nicht alleine schaffen, holt euch Hilfe!


Mijou

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Vanessa1704

Wenn jemandem bei so einem Kind nichts Anderes einfällt als "harte Umstellung", bei der "viel gebrüllt" werden wird, sträuben sich mir die Haare. Brüllst Du im Kindergarten auch so? Das ist ja furchtbar. Unsere Erzieherinnen werden nie laut und setzen sich trotzdem durch. Und ich selbst mache das bei meinen Kindern genauso. Hast Du in der Ausbildung überhaupt keine Pädagogik gehabt...? Brüllen ist schädlich und war vorgestern!


streepie

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Mijou

eben weil klare Grenzen gezogen werden, und er seinen Willen nicht sofort bekommt.


Sternspinne

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Vanessa1704

Das sehe ich aber ganz anders. Genau diese Formulierung, wenn Kinder zu Tyrannen werden, finde ich sowas von daneben. Das Kind ist kein Feind, den man bekämpfen muss mit allen Mitteln. Der Junge fühlt sich selber vermutlich noch viel unwohler als die Eltern. Das macht er nicht aus Spaß, sondern weil es ihm nicht gut geht. Er kommt ja selber mit den genannten Problemen nicht klar. Da nützt es auch rein gar nichts, wie oben geschrieben, dass das Kind das aushalten MUSS, weil es schon sieben Jahre alt ist. Er hält es eben nicht aus, fertig. Jemand mit gebrochenem Bein kann eben auch nicht laufen. Im Kindergarten kann man ganz anders mit den Kindern arbeiten als zuhause. IN der Familie sind die intimsten und vertrautesten Beziehungen, die man durch so eine Behandlung auch wunderbar zerstören kann. Und die Annahme, dass die Kinder auch im späteren Alter so weiter machen, kann man getrost vergessen. Auch bei Kindern mit solchen Regulationsstörungen gibt es Wachstum und Reife. Am besten mit der liebevollen Unterstützung der Eltern. Also, ich persönlich finde es wichtig, dass ihr es erstmal akzeptiert, dass er im Moment "anders" ist, als die Normentwicklung es vorschreibt. Dann würde ich ihm rückmelden, dass ihr ihn versteht. Manche Situationen sind einfach sch.... oder zumindest er findet es so. Therapeutische Hilfe beim Erlernen von Frustrationstoleranz und sich selber regulieren lernen finde ich auch wichtig. Und er hat einen Vertrauenspartner ausserhalb der Familie, der ihm wohlgesonnen ist. Das entlastet euch vielleicht. Und durchhalten! Alles Gute!


niccolleen

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Mijou

Ich denke, sie meint die Bruellerei vom Kind, lg niki


Musikerin

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Vanessa1704

ich bin derselben Meinung wie du. Ein 7jähriger, der seinen Eltern so auf der Nase rumtanzt und scheinbar keine klaren Grenzen aufgezeigt bekommt, testet natürlich erst Recht aus. Wenn in der Schule nichts passiert ist, was auf solches Verhalten schließen könnte, dann sind die Eltern gefragt. Aber heutzutage werden die Kinder leider mehr verzogen, als erzogen......


Johanna3

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Mijou

Winterhoffs Bücher empfinde ich als eiskalt. Im angenehmen Kontrast stehen die Bücher von Wolfgang Bergmann. Bei ihm steht mehr das "Warum" im Vordergrund als der sachlich-kalte "Durchgriff". Aber wenn Kinder schon als Tyrannen bezeichnet werden....


gwenni

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

https://www.amazon.de/Das-überreizte-Kind-verstehen-Selbstregulierung-ebook/dp/B01G1SAQH6 Vielleicht ist das Buch etwas für euch! Oft reagieren Kinder so aggressiv, weil sie gestresst sind. Stressempfinden ist total individuell und den Kindern muss geholfen werden damit umzugehen.


clarence

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Das kenn ich von meinem. Er brüllt sofort los und wird zum Rumpelstielzchen, wenn er was nicht will (z.B. mit uns spazieren gehen, einkaufen fahren,...) Er muss aber dennoch mit und auch wenn er brüllt. Dachte das wird mal besser und er kapiert, dass ihm all das Brüllen nichts hilft, aber das ist nicht der Fall (er ist jetzt fast 10 Jahre alt).


f.j.neffe

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von raindrop

Du siehst ja: das ist kein technisches Problem sondern es liegt etwas tiefer bzw. höher. Da sind Kräfte in deinem Kind, die treiben es - und er kann ihnen nicht gebieten. Mit seiner Hilfe kannst DU das lernen. Sprich direkt mit seinen Kräften, wenn er schläft. Sprich ihnen deine Achtung aus, sprich ihnen alle zu, was sie für eine gute Entwicklung und Erlösung brauchen, male ihnen ihre gute Entwicklung aus - wie sich alles zum Guten wandelt - und gib ihnen einen klaren Auftrag dafür. Jeden Abend, wenn er schläft, ein paar Minuten für ein gutes Gespräch mit den tatsächlich zuständigen Kräften. Der Vorteil ist: Da lenkt nichts ab und deine guten Worte können voll wirken. Stärke zuvor dich selbst für das Gespräch und alles, was du tust, damit du eine starke gute Wirkung hast! Es geht nicht nur um dein Kind sondern auch darum, dass du nicht unfertig bleibst. Auf meiner coue.org Homepage findest Du u.a. im Coué Brief Nr. 9 noch mehr dazu. Ich freue mich auf Euren Erfolg. Franz Josef Neffe