Elternforum Rund ums Baby

Zweifach Mama - gefühlt hab ich mich verloren!

Zweifach Mama - gefühlt hab ich mich verloren!

Vanilchen

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Hallo liebe Community, geht es noch jemandem nach dem zweiten Kind so oder bin ich einfach komplett ungeeignet für zwei Kinder? Meine Tochter ist jetzt 6 Wochen alt und ich habe aktuell das Gefühl, komplett unterzugehen. Ich liebe beide Kinder wirklich über alles, aber ich empfinde seit Wochen kaum Freude, sondern eigentlich fast nur noch Stress, Reizüberflutung, Schuldgefühle und Überforderung. Mein großer Sohn ist 2,5 Jahre alt und seit der Geburt seiner Schwester wie ausgewechselt. Er ist deutlich lauter geworden, überdrehter, hat viele Wutanfälle, provoziert viel, beißt wieder, ist extrem anhänglich und gleichzeitig oft kaum regulierbar. Gleichzeitig verstehe ich ihn total. Sein ganzes Leben hat sich verändert. Vorher hatte er mich praktisch für sich alleine und plötzlich hängt ständig ein Baby an Mama. Und trotz allem liebt er seine Schwester wirklich sehr. Er küsst sie, schaut nach ihr, möchte bei ihr sein und ist oft erstaunlich geduldig mit ihr. Gerade deshalb zerreißt mich die Situation emotional oft so sehr, weil ich merke, dass er eigentlich einfach selbst kämpft. Mein Mann kann sich zwar jederzeit auch mal zurückziehen und seinem Hobby, dem Zocken, nachgehen, was ich ihm grundsätzlich auch gönne. Gleichzeitig bleibt aber im Alltag trotzdem sehr viel an mir hängen. Natürlich spielt er mit unserem Sohn oder übernimmt Dinge, aber oft habe ich das Gefühl, dass die Hauptverantwortung dauerhaft bei mir bleibt und ich selbst nie wirklich abschalten kann. Wir hatten darüber schon oft Gespräche und dann wird es kurzfristig besser, aber irgendwann rutschen wir wieder in alte Muster zurück. Gleichzeitig habe ich ihm gegenüber oft ein schlechtes Gewissen, weil er Vollzeit arbeitet und ich ihm seine Freiräume eigentlich auch lassen möchte. Aber der Alltag ist momentan einfach trotzdem unglaublich schwer. Ich habe oft das Gefühl, dass ich morgens schon aufwache und mein Nervensystem sofort auf Alarm geht. Selbst Kleinigkeiten eskalieren momentan innerlich sofort bei mir. Ich merke generell, dass mich aktuell ALLES überfordert. Irgendetwas klappt nicht, jemand diskutiert mit mir oder beide Kinder brauchen gleichzeitig etwas und mein Körper reagiert sofort mit Stress. Ich habe das Gefühl, dauerhaft unter Strom zu stehen. Gleichzeitig hängt die Kleine gefühlt 24/7 an meiner Brust. Sie schreit abends zum Glück gar nicht so extrem viel, möchte aber dauerhaft stillen und dockt ständig an und ab. Zusätzlich pumpe ich noch ab, weil ihr Gewicht anfangs und teilweise auch jetzt noch nicht optimal ist. Parallel dazu läuft der komplette Alltag natürlich trotzdem weiter: Krippe, Termine, Haushalt, Essen planen, kochen, aufräumen, Katzen versorgen usw. Mein Mann hatte die ersten zwei Wochen nach der Geburt Urlaub und hat sich da wirklich viel um unseren Sohn gekümmert. Auch jetzt spielt er viel mit ihm und übernimmt am Wochenende oft die Mittagsrunde mit dem Auto, damit der Große schlafen kann. Trotzdem bleibt im Alltag gefühlt wahnsinnig viel an mir hängen und ich merke auch, wie schwer es mir fällt, wirklich Verantwortung abzugeben. In der Anfangszeit hat mein Mann unseren Sohn abends komplett übernommen und ins Bett gebracht. Mittlerweile verschiebt sich das aber irgendwie still und heimlich wieder mehr zurück zu mir, auch weil unser Sohn oft wieder unbedingt Mama möchte. Gleichzeitig hängt die Kleine abends dauerhaft an mir und ich habe oft das Gefühl, zwischen beiden Kindern zerrieben zu werden. Wenn ich mit beiden Kindern im Schlafzimmer sitze, eskaliert es oft komplett. Die Kleine möchte stillen, mein Sohn wird wild oder laut oder möchte Aufmerksamkeit und ich merke richtig, wie ich innerlich irgendwann einfach nicht mehr kann. Danach fühle ich mich oft wie die schlimmste Mutter überhaupt. Dazu kommt leider noch, dass ich nach meinem ersten Kind eine Wochenbettdepression hatte und deshalb aktuell auch wieder therapeutisch angebunden bin. Vielleicht beobachte ich mich deshalb auch so extrem kritisch, aber ich habe ständig Angst, wieder in etwas hineinzurutschen. Vor allem abends wird es oft schlimm. Sobald Ruhe einkehrt, fange ich an zu grübeln und mich zu fragen, ob wir überhaupt ein zweites Kind hätten bekommen sollen. Und dieser Gedanke macht mir unglaubliche Schuldgefühle. Nicht weil ich meine Tochter nicht liebe — ich liebe sie wirklich sehr. Aber ich habe oft das Gefühl, dass ich meinem Sohn nicht mehr gerecht werde und gleichzeitig auch mich selbst komplett verliere. Ich wollte immer eine geduldige, liebevolle Mama sein, ein sicherer Hafen. Stattdessen habe ich aktuell oft das Gefühl, nur noch zu ermahnen, zu korrigieren, gereizt zu sein oder einfach nur funktionieren zu müssen. Gleichzeitig weiß ich eigentlich, dass mein Sohn gerade selbst unglaublich kämpft und mich wahrscheinlich besonders braucht. Ich empfinde kaum noch Leichtigkeit. Ich rede gefühlt den ganzen Tag nur noch in Rollenspielen, beim Einkaufen oder in der Krippe mit anderen Menschen und ansonsten existiere ich eigentlich nur noch für Bedürfnisse anderer. Und das Schlimmste: Ich habe ständig Angst, dass mein Sohn sich irgendwann ungeliebt oder verdrängt fühlt, obwohl ich wirklich alles versuche, ihm Aufmerksamkeit und Nähe zu geben. Bitte ehrlich: Wird das irgendwann wieder leichter? War euer erstes Geschwisterkind auch so extrem in der Umstellung? Und ging es jemandem psychisch nach dem zweiten Kind ähnlich? Ich glaube, ich brauche gerade einfach das Gefühl, mit all diesen Gedanken und Gefühlen nicht alleine zu sein.


JoMiNa

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Du schilderst sehr gut, wie anstrengend und teilweise belastend der Alltag mit Kleinkind und Baby ist und sehr viel davon habe ich auch erlebt (meine beiden Kinder sind etwas mehr als 3 Jahre auseinander). Diese Gefühl, sich zwischen beiden Kindern zerreißen müssen und selbst komplett auf der Strecke zu bleiben kenne ich sehr gut. Leider warnt keiner einen da so richtig vor 🙈 Also ja, du bist ganz sicher nicht alleine damit. Und ich finde es auch gut, dass deine Gefühle so gut beobachtest und reflektierst. Und ja, es wird definitiv besser. Bei uns ist K2 jetzt fast 5. Ja auch jetzt wollen öfters beide unterschiedliche Dinge gleichzeitig. Aber ich kann viel besser damit umgehen und werde davon nicht sofort getriggert oder emotional hineingezogen. Wann es genau besser wurde, kann ich gar nicht sagen... Was ich dir mitgeben möchte: Erstens sei nicht zu hart zu dir. Es ist ok, nicht immer perfekt zu reagieren. Und zweitens, hab kein schlechtes Gewissen deinem großen Kind gegenüber. Es ist das natürlichste der Welt, Geschwister zu haben und nicht die Eltern für sich alleine. Auch wenn er jetzt öfters frustriert ist, am Ende nimmt er keinen Schaden und profitiert sogar davon.


WonderWoman

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du hast angst in eine ppd abzurutschen aber für mich hört sich das so an als wärst du schon mittendrin.


Caot

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Ich würde mir Hilfe holen. Hast Du noch eine Hebamme? Bei uns gibt es das Haus der Familie.  Du bist überfordert. Und ich denke, dass Du das auch schon nur mit einem Kind warst. Er hat "wieder" zu beißen angefangen - kein Kind beißt einfach so.  Dein Mann zockt und Du nennst das "Freiraum".  Du solltest Unterstützung bei der KK beantragen. Nimm deine Frauenärztin mit ins Boot.?Damit Ihr alle optimierende Dinge im Alltag einsetzen könnt. Das muss mutiger und routinemäßiger werden und ohne schlechtes Gewissen. Das herumgefahre für das Kind1 muss aufhören. Was für eine Strapaze. Dein Mann muss mehr eingebunden werden und Du brauchst Freiräume. Hol Dir Hilfe. Das steht Dir zu, nimm es. 


TatsächlichLiebe

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Es ist eine Mega Herausforderung und nach 3 Jahren mit zweien im ähnliche. Abstand bin ich immer noch angespannt und mein Mann auch. Aber wir teilen uns die Dinge wirklich auf und wennn das nicht wäre, würde ich auch verzweifeln. Das zu Bett bringen haben wir uns immer geteilt. Anders geht es hier bis heute nicht. Und Vollzeit arbeitest Du auch, nur anders und ohne festen Feierabend. Es ist eben so. Zocken ist ok, aber dann darfst Du Dich auch mal rausnehmen. Du hast auch ein Recht auf Pause (ohne Kind).


Nurmalsoeben

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"Ich empfinde kaum noch Leichtigkeit. Ich rede gefühlt den ganzen Tag nur noch in Rollenspielen, beim Einkaufen oder in der Krippe mit anderen Menschen und ansonsten existiere ich eigentlich nur noch für Bedürfnisse anderer." Sprich mit deinem Mann, dass auch du Auszeiten brauchst. Er arbeitet Vollzeit, du arbeitest rund um die Uhr. Deine Arbeit wird nur nicht vergütet. Das ist zwar "der Normalfall", und viele schaffen es auch, da irgendwann wieder herauszukommen, aber Gott sei Dank merkst du rechtzeitig, dass es dir damit nicht gut geht. Diese Vereinzelung in der Kleinfamilie und das Tragen eines kompletten Familienalltags auf zwei Schultern mit allem, was dazu gehört, ist einfach zu viel. Viele machen das jahrelang gezwungenermaßen, weil es von ihnen so erwartet wird und hangeln sich dabei zwischen Wochenbettdepression, Schlaflosigkeit, ständigem Druck, psychosomatischen Beschwerden und wachsender Wut durch. Spann deinen Mann mehr ein und hol dir zusätzlich jede Entlastung, die du bekommen kannst. Dein Mann ist nach Feierabend genauso Vater und für den Haushalt zuständig wie du, wenn er sich Pausen gönnt, brauchst du sie auch. Und im Idealfall sollten das Pausen sein, bei denen man wirklich auftankt, nicht "Zocken", was zwar einfach ist, aber wobei Augen, Nervensystem und Gehirn zwar Schwerstarbeit leisten, aber kein Belohnungseffekt da ist. Hobbys sind Sachen, nach denen man sich gestärkt fühlt und wirklich abschalten kann vom Alltag - alles, was mit Bewegung, Natur, Gesundheit, Gemeinschaft, Glücksgefühl zu tun hat.


Bela66

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Liebes Vanilchen, sei erstmal feste gedrückt, das klingt alles irre anstrengend momentan! 🫶🏻 Von mir ein paar Gedanken dazu, einfach so und ganz spontan, vielleicht ist ja was dabei, das hilft. Erstmal muss man klar sagen, dass dein Mann zu wenig hilft. Auch wenn mein Mann der Vollzeitverdiener war, als die Kinder klein waren, hat er jeden Abend das ältere Kind ins Bett gebracht. Und als das jüngere abgestillt war, haben wir uns mit den Kindern beim Abendritual einschließlich Baden, Zähneputzen, Vorlesen, Singen usw. abgewechselt. Auch wenn dein Sohn naturgemäß lieber von der Mama ins Bett gebracht werden will, weil du das halt meistens machst und Kinder Gewohnheitstierchen sind, nimmt KEIN kleines Kind Schaden, wenn der Papa es ins Bett bringt. Dein Mann darf sich hier durchsetzen. Und du solltest dich dann auch zurücknehmen und deinen Sohn nicht übernehmen, wenn er anfangs beim Papa motzt. Er muss sich erst wieder an Papa als "Haupt-Insbettbringer" gewöhnen, und das schafft er natürlich auch.  Da die Abende ein Haupt-Stressor sind, würde ich dies als erstes mit deinem Mann klipp und klar vereinbaren, für jetzt und für die Zukunft – und hier auch keine Ausnahme machen und nicht wieder einknicken. Besser als allgemeine Klagen ("Du könntest auch mal mehr helfen"), ist es immer, Männern ganz konkret zu sagen, was sie tun sollen. Mein Mann hat zudem nach Feierabend für ein Stündchen beide Kinder übernommen, damit ich mal Zeit für mich allein hatte. In dieser Zeit war ich in einem anderen Zimmer oder spazieren, und es war klar, ich werde jetzt nicht gestört. Auch ein anhängliches Baby schafft eine Stunde mit Papa, vor allem, wenn dies tägliche Routine wird. Am Wochenende hat mein Mann immer eine Papa-Kind- oder auch Papa-Kinder-Aktion gemacht, war also mit einem oder beiden Kindern allein unterwegs. Mit Baby natürlich kürzer, ohne und nur mit dem älteren Kind länger. Auch ein berufstätiger Vater muss bei der Kinderbetreuung helfen. Wenn dein Mann hier moppert, sage ihm, dass du einen 24-Stundenjob hast, an 7 Tagen die Woche und an 365 Tagen im Jahr. Dass du in diesem unbezahlten Job auch keinen Feierabend, kein Wochenende und keinen Urlaub hast. Deshalb stehen auch dir Auszeiten zu, und die musst du straight durchsetzen. Wenn dir das schwerfällt, bedenke (und sage es deinem Mann auch), dass eine chronisch überlastete Mutter keine gute Mutter mehr sein kann. Und jetzt ein bissel zu dir selbst: Erlaube dir, eine normale Mutter zu sein und keine perfekte Übermutter. Denn wenn du an dich selbst den Anspruch hast, möglichst alles richtig zu machen und ununterbrochen liebevoll, geduldig und engelsgleich zu sein, dann musst du an diesem Anspruch jeden Tag aufs Neue scheitern. Und das frustriert irre. Dabei ist schon diese Idee der allzeit guten Mutter total unrealistisch, denn KEINE Mutter ist immer liebevoll und geduldig. Übrigens auch nicht die, von denen du das glaubst, weil sie nach außen hin so wirken. Jede Mutter ist mal ungerecht, genervt, wird mal laut, möchte ihr Kind manchmal am liebsten auf dem nächsten Gemeindebasar verkaufen. Man darf als Mutter auch schlechte Gefühle gegenüber dem Kind haben, die hat jede Mutter mal. Wenn du dir das nur schwer erlauben kannst, lies mal das herrliche, wirklich lustige Buch "Der Tanz ums Kind" der Psychologin Harriet Lerner. Ein Buch, das mich selbst irre entlastet hat. Und eine entspannte, mit sich selbst nachsichtige Mutter wird auch im Alltag sofort eine bessere Mutter, weil sie viel weniger herumkrampft. Für mich eines der besten Bücher übers Muttersein. LG


Sue_Ellen

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Antwort auf Beitrag von Vanilchen

kannst du dir nicht einen babysitter suchen? jemand, der mit dem baby einfach nur mal spazieren geht, damit du in aller ruhe mit dem sohni sein kannst? wenn der sitter dann wiederkommt könnte er ja mit dem sohni spielen, dann kannst du das baby wieder versorgen/stillen etc. was ist mit den omas/opas? bevor ich den mann bettle, dass er mithilft, weil es in anderen familien die väter tun/getan haben, heißt das noch lange nicht, dass der mann gleich "spurt" und das tut, was er tun "sollte".