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Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Sandrea1988

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Hallo zusammen, meine Tochter ist 3,5 Jahre alt und ich mache mir zunehmend Gedanken darüber, wie schwer ihr soziale Situationen mit anderen Kindern fallen. Schon seit einiger Zeit fällt mir auf, dass sie sich in Gruppen nur schwer integriert. Am liebsten spielt sie mit nur einem anderen Kind – dabei ist es ihr eigentlich egal, wer es ist, solange das Kind eher ruhig ist. Sie hat eine „beste Freundin“ (wenn man das in dem Alter schon so nennen kann). Diese Freundin hat allerdings noch ein anderes Mädchen, mit dem sie oft lieber spielt, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Das verletzt meine Tochter sehr – sie möchte dann häufig direkt nach Hause. Auch Turn- oder Sportgruppen möchte sie inzwischen nicht mehr besuchen. Gestern waren wir auf einem Kindergeburtstag und dort hat sie sich nicht getraut, zu den spielenden Kindern dazuzugehen. Stattdessen zog sie sich eher zurück. Später waren zwei Mädchen leider nicht besonders nett zu ihr und haben ihr sogar verboten, sich Glitzersticker zu nehmen. Für meine Tochter war das sehr belastend und die Situation ist emotional eskaliert. Wenn sie sich von anderen Kindern verletzt fühlt, weint sie oft sehr stark, zieht sich zurück und lässt sich in solchen Momenten weder trösten noch umarmen. Sie wirkt dann völlig überwältigt und scheut Konflikte sehr. Als Mutter belastet mich das ebenfalls, weil ich das Gefühl habe, ihr in diesen Situationen nicht richtig helfen zu können. Interessanterweise fühlt sie sich bei älteren Kindern oft wohler – vermutlich, weil diese ruhiger oder verständnisvoller mit ihr umgehen. Gleichzeitig passen Interessen und Entwicklungsstand natürlich nicht immer zusammen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder Ideen, wie ich sie unterstützen und stärken kann? 


KielSprotte

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Wie läufts denn im Kindergarten?


Sandrea1988

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Laut ErzieherInnen gut. Sie ist zwar immer nur auf ein Kind fokussiert und zählt eher zu den ruhigeren Kindern. Sie gibt schnell nach und steht für sich nicht ein, aber sie sehen keine Auffälligkeiten. 


Bonnie

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Hallo, ich würde erst einmal gelassen bleiben. In diesem Alter sind viele Kinder noch nicht sehr routiniert, was Kommunikation und Interaktion mit anderen Kindern angeht. Meine Tochter war damals zum Beispiel sehr schüchtern und sprach im Kindergarten nicht von sich aus. Weder mit anderen Kindern noch mit den Erzieherinnen. Den Erzieherinnen antwortete sie wenigstens, wenn diese sie ansprachen. Wenn aber ein Kind sie ansprach, mit dem sie nicht sehr vertraut war oder bisher noch nie gespielt hatte, antwortete sie auch hier nicht, sondern schaute nur verschreckt und verlegen. Bei Kindergeburtstagen wollte sie noch nicht allein bleiben, ich musste mit dableiben. Sie ließ sich auch noch leicht übervorteilen, zum Beispiel wenn Kinder sich vordrängten – sie konnte sich da nicht behaupten. Erst im späten Kiga-Alter wurde es deutlich besser. Ich würde bei deiner Tochter ruhig abwarten, bis sie fünf ist. Ein knappes Jahr vor dem Schuleintritt kannst du dann noch mal überlegen (und auch mit den Erzieherinnen besprechen), wie der Stand ist. Wenn sie dann immer noch sehr unsicher ist, könntet ihr ein Jahr Ergotherapie machen. Das ist wirklich eine gute, sehr entspannte Sache. Dort üben die Kinder in Kleingruppen und unter fachlicher Begleitung Kommunikation, gemeinsame Lösungen für kleine Aufgaben, machen gemeinsame spielerische Projekte (Zirkusspiel) usw. Ziel ist einfach Routine und Übung in Alltagssituationen mit anderen Kindern. Zurückhaltende, schnell gekränkte oder unsichere Kinder profitieren davon sehr und sind danach fit für die Einschulung. Ich denke eigentlich nicht, dass das nötig sein wird. Aber wenn du es als Rückfallebene im Hinterkopf behältst, kannst du dir die weitere Entwicklung gelassen anschauen. Bei deiner Tochter ist nichts ungewöhnlich, die Spannbreite in Sachen Interaktion mit anderen Kindern ist einfach riesengroß in diesem Alter, und das ist normal. Wenn du dir im Jahr vor der Einschulung immer noch Gedanken machst, einfach beim Ki-Arzt eine Überweisung zur Ergo holen, das ist in der Regel unkompliziert. LG


Nellyne

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Hallo, das klingt sehr nach meinem Sohn. Bei uns waren soziale Interaktionen mit anderen Kindern zwischen 3 und 4 am schwierigsten. In der Kita hatte er aber auch immer einen "Freund", der selbst viel sozialer ist als er. Ich denke, es ist gut, dass deine Tochter im Kindergarten prinzipiell gut zurecht kommt. Bei uns hat sich in der Entwicklung in den letzten Monaten sehr viel getan - mein Sohn ist jetzt 5. Wenn er es sich aussuchen kann, spielt er aber trotzdem am liebsten mit zugewandten Erwachsenen oder älteren Kindern, weil die einfühlsamer sind und "besser funktionieren". ;) In großen Gruppen wie Kindergeburtstagen braucht er auch viel Zeit, bis er sich traut, mit den anderen zu spielen.  Ich denke auch, dass du da erstmal abwarten kannst. Und: Es gibt eben auch einfach Kinder, die schüchterner sind oder weniger soziale Kontakte brauchen. Bei mir ist es bis heute noch so, dass ich wenige Freundinnen habe und nicht der Typ für große Gruppen bin, dafür ist die Freundschaft sehr tief. 


JoMiNa

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Ich finde auch, es klingt alles im Rahmen. Natürlich nicht schön für dich, mit anzusehen, wenn andere nicht nett zu deiner Tochter sind, oder wenn sie selbst von einer Situation überfordert ist. Aber sie ist wirklich noch sehr jung und muss das soziale Miteinander noch üben. Das fängt eigentlich erst in dem Alter zwischen 3 und 4 an, davor spielen Kinder eher nebeneinander oder zufällig dasselbe Spiel. Nach meiner Einschätzung fangen die Kinder erst mit 3 - 3,5 Jahren an zu merken, dass es soziale Regeln gibt. Dass jemand sich nett oder gemein verhalten kann. Dass man aus der Gruppe ausgeschlossen werden kann. Usw. Deine Tochter ist vielleicht eine gute Beobachterin und hat manche Situationen im Kindergarten gesehen, die sie beschäftigen und sie vorsichtig werden lassen. Das ist meist nichts schlimmes, Kinder sind einfach sehr direkt und leider manchmal auch gemein. Es hat aber auch etwas Gutes: Sie lernt für ihr weiteres Leben, was Freunde ausmacht und dass manche Menschen ihr nicht gut tun. Das wird sich übrigens noch mindestens die ganze Grundschulzeit hinziehen, dass du Gemeinheiten von anderen Kindern mitbekommst. Das solltest du dir nicht so nah gehen lassen, Kinder reagieren oft impulsiv und man darf das nicht immer mit Erwachsenenmaßstäben messen. Was du zur Unterstützung machen kannst: Das Wichtigste ist, gelassen bleiben und deiner Tochter Sicherheit vermitteln. Sie zwar ermuntern, aber nicht drängen, sich etwas zu trauen. (Druck erzeugt immer Gegenwehr.) Dir nicht anmerken lassen, dass du enttäuscht oder genervt bist, sondern darauf vertrauen, dass deine Tochter sich weiterentwickeln und dazu lernen wird. Ganz wichtig gerade bei negativen Kommentaren von außen (Tante, Oma, andere Mütter...) Nach "blöden" Situationen, die meine Kinder merklich beschäftigt haben, habe ich versucht zu erklären, warum andere Kinder so handeln. Und wie sie in Zukunft am besten reagieren ("Das war wirklich nicht nett, dass sie dir keinen Sticker geben wollten. Aber es sind ihre Sticker und du möchtest doch auch selbst entscheiden, wem du etwas abgibst. Wenn dir jemand etwas nicht geben möchte, such dir lieber ein anderes Kind oder mach etwas anderes." Bzw. "Aber das durften sie nicht bestimmen, die Sticker waren ja für alle da. Das werden ihre Mamas denen bestimmt sagen, dass sie so etwas nicht dürfen. Gut, dass du mich geholt hast." ) Aber man muss auch nicht jede harmlose Situation thematisieren oder dramatisieren. Also beim nächsten ähnlichen Vorfall vielleicht nur sagen, stimmt, das war gar nicht nett und dann zu einem anderen Thema übergehen.


JoMiNa

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Noch zwei Punkte: Dass sie im Kindergarten prinzipiell gut klar kommt, ist ein gutes Zeichen. Auch, dass sie gegenüber älteren Kindern oder Erwachsenen offener ist. Das ist auch verständlich, denn die sind berechenbarer und verhalten sich in der Regel freundlich und fair, im Gegensatz zu Kindern in ihrem Alter. Daher denke ich nicht, dass es bei ihr grundsätzlich an sozialen Fähigkeiten mangelt. Und dass sie so emotional wird, wenn andere Kinder nicht nett zu ihr sind: Ja, es kann sein, dass sie sich verletzt fühlt. Es kann aber auch sein, dass sie sauer ist, weil das andere Kind sich nicht wie erwartet verhält. Oder sie ist überfordert mit ihrer eigenen Unsicherheit. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allem. Es ist aber kein Drama und geht vorbei. Bei den sozialen Kompetenzen ist es eigentlich wie beim Laufen lernen: Es braucht viel Übung und klappt nicht immer ohne Tränen oder Schrammen. Aber es entstehen in der Regel keine bleibenden Verletzungen. Dabei spielt  allerdings deine Reaktion eine große Rolle: "Wenn Mama traurig oder verzweifelt ist, dann muss mir ja wirklich etwas schlimmes widerfahren sein." Also mach dir also nicht zu viele Sorgen, Krone aufrichen und weiter geht's 😉


Sandrea1988

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Antwort auf Beitrag von Sandrea1988

Danke, eure Antworten machen mir wirklich Mut. Natürlich macht es mich traurig zu sehen, wie sie von den anderen Kindern zurechtgewiesen wird – und noch schwerer fällt es mir, wenn ich sehe, dass sie dann alleine spielt. Gleichzeitig kann ich sie aber auch verstehen und glaube, dass ich mich wahrscheinlich genauso zurückziehen würde. Die Kinder im Kindergarten sind eine feste Gruppe, und alle – auch meine Tochter – kennen sich schon seit der Krippe. Eigentlich kennen sie also den Umgang miteinander, was es für mich umso schwerer macht zu sehen, dass sie es momentan nicht schafft, richtig Anschluss zu finden. Obwohl alle ausnahmslos miteinander spielen. Dazu kommt, dass sie die Kinder inzwischen danach einordnet, ob sie freundlich zu ihr sind oder nicht. Das beschäftigt mich natürlich sehr. Danke euch auf jeden Fall für eure Tipps und die lieben Worte!


Chriss123

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Antwort auf Beitrag von Sandrea1988

Aber warum soll sie die anderen Kinder denn nicht so einordnen? Wenn 'Maren' nicht zu ihrem Temperament passt und sie sich bei ihr konsequent unwohl fühlt, ist es doch gut wenn sie das wahr nimmt und für sich eintritt.  Ich ess auch nicht mit jedem Kollegen gleich gern zu Mittag, obwohl wir alle seit Jahren zusammen arbeiten. Mach dir da nicht zu viele Sorgen, das wird sich mit der Zeit wirklich noch ändern. Wenn du sie unbedingt besser vernetzen möchtest, spreche die Eltern von ihren Lieblingskindern an, ob ihr euch (regelmäßig) auch privat treffen wollt. Kinder sind in dem Alter Gewohnheitstiere. Wenn 'Jona' jeden Mittwoch mit euch unterwegs ist, sind die zwei sehr wahrscheinlich auch in der KiTa bald häufiger ein Team. Was nicht heißt, dass sie sich nicht streiten werden. Aber das gehört bei Freunden eben auch mal dazu. Gerade in dem Alter noch.


JoMiNa

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Antwort auf Beitrag von Chriss123

Genau, das ist doch super und zeigt, dass sie ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickelt, wenn sie die Kinder aus ihrem Umfeld bewertet. Nur so können ja Freundschaften entstehen und sich weiterentwickeln. Und du willst doch nicht, dass sie später mit Kindern, die ihr nicht gut tun "befreundet" ist. Private Verabredungen kann ich auch empfehlen. Es ist natürlich praktisch, wenn es Kinder aus der Kita sind. Aber auch regelmäßige Treffen mit anderen Kindern sind hilfreich. Einfach weil das Sozialverhalten besser geübt werden kann mit nur 1-2 Kindern anstatt in der großen Gruppe. Ich habe auch gute Erfahrungen mit regelmäßigen Spielplatzbesuchen gemacht, am besten die kleineren Spielplätze in der direkten Nachbarschaft. Oder es ergibt sich bei uns öfters, dass wir spontan nach dem Kindergarten mit ein paar Kindern auf den nächsten Spielplatz weiterziehen, gerade bei schönem Wetter.


Caro2503

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Antwort auf Beitrag von Sandrea1988

Hallo, meine Tochter war (ist) ähnlich. Sehr schüchtern, sehr zurückhaltend, überfordert in großen Gruppen. Auch sie hat lieber mit älteren gespielt - wir nehmen an, dass sie da besser einschätzen konnte, wie die Kinder reagieren/agieren. Bei kleineren geht es ja oft noch recht wild zu ;) Wir haben damals mit Frühförderung begonnen, mit 4 ging es los: Ergotherapie und Spieltherapie mit ner Heilpädagogin. Gruppen mit anderen Kindern waren damals wegen Corona leider nicht möglich. Eine Psychomotorikgruppe wäre wahrscheinlich das Beste für sie gewesen. Ich kann das ganze nur empfehlen! Unsere Tochter wurde dadurch natürlich nicht komplett anders und ist immer noch schüchtern, aber kein Vergleich zu früher! Schaden kann es nix - und ich würde nicht bis 5 oder so warten, es dauert oft ewig, bis man Termine bekommt und das ganze endlich losgeht!